Ursachen

Warum kommt Gewalt in der Pflege vor?

Unangemessenes Verhalten, Aggression und Gewalt können überall in der Pflege vorkommen – in der familialen genauso wie in der professionellen Pflege. Dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Oft ist es die Summe mehrerer Faktoren.

Gewalt kann ganz persönliche Gründe haben wie ein hohes Aggressionspotenzial, eigene Gewalterfahrungen, eine Suchterkrankung oder gesundheitliche Probleme. Auch zwischenmenschliche Konflikte oder ein starkes Abhängigkeits- oder Dominanzverhältnis zwischen Pflegenden und Gepflegten können zu Gewalt führen.

Bei Pflegenden kann auch Überlastung eine Ursache für Gewalt sein: Pflegende Angehörige sind oftmals mit erheblichen körperlichen und seelischen Anstrengungen konfrontiert. Wenn sie dann nicht gut über Pflegetechniken und Unterstützungsangebote informiert sind und diese nutzen, kann es schnell zu Überlastung kommen. Neben dem täglichen Stress tragen Vereinsamung, beengte Wohnverhältnisse oder finanzielle Probleme dazu bei.

In der professionellen Pflege können Zeitdruck, fehlendes Personal oder zu viel Verantwortung Ursachen für Überlastung und in der Folge für unangemessenes Verhalten bis hin zu Gewalt sein. Auch mangelnde Kompetenz, das Verhalten von Pflegebedürftigen richtig einzuschätzen und professionell angemessen darauf zu reagieren, trägt zu Gewalt in der Pflege bei – genauso wie eine unkritische Haltung gegenüber freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) in der Einrichtung und mangelndes Wissen über Alternativen.

Bei Pflegebedürftigen können Gefühle der Hilflosigkeit, Angst oder Verzweiflung zu aggressivem Verhalten führen. Aber auch krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn, zum Beispiel Demenz, können der Grund dafür sein. Eine unruhige oder ungewohnte Umgebung kann dies verstärken.

QUELLEN
Görgen, T. (2017). Wissen über das Phänomen Gewalt in der Pflege. In Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.), Gewaltprävention in der Pflege (S. 12-15). Berlin.
Sethi, D., Wood, S., Mitis, M., Bellis, M., Penhale, B., Marmolejo, . . . & Kärki, F. U. (2011). European report on preventing elder maltreatment. WHO/Europe.

AKTUALISIERT
am 8. Dezember 2017

AUTOREN
D. Sulmann, D. Väthjunker

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