Folgen

Welche Folgen kann Gewalt in der Pflege haben?

Gewalt kann schwerwiegende körperliche und psychische Folgen haben. Auch scheinbar kleine Konflikte und Vorfälle können die Lebensqualität und die Gesundheit der Betroffenen stark beeinträchtigen. Zudem hat Gewalt negative Auswirkungen auf die Beziehung zwischen den Beteiligten und auf das Umfeld.

Folgen von Gewalt für Betroffene

Alle Formen von Gewalt können psychische Folgen haben, zum Beispiel

  • Stress, Unruhe, Angst, Verzweiflung
  • Schlafstörungen
  • Kraft- und Antriebslosigkeit
  • Gefühle der Ohnmacht oder Erniedrigung
  • Aggression

Darüber hinaus kann Gewalt schwerwiegende körperliche Folgen haben: Körperliche Gewalt geht meist mit Verletzungen wie Kratzern, Prellungen oder Blutergüssen einher. Einige können langfristige Folgen haben oder gar zum Tod führen.

Auch freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) bergen das Risiko von Verletzungen. Beim Versuch, Bettgitter zu überwinden, kann es zu folgenschweren Stürzen kommen. Fixierungen mit Gurten können zu Haut-Abschürfungen oder Druck-Geschwüren führen. Bei regelmäßiger Anwendung steigt außerdem die Sturzgefahr, da Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordinations-Fähigkeit abnehmen. Mit dem Einsatz von Beruhigungsmitteln ist zudem das Risiko schädlicher Neben- oder Wechselwirkungen verbunden.

Die Folgen von Vernachlässigung machen sich häufig nicht sofort bemerkbar. Durch mangelhafte oder fehlende Pflege kann es beispielsweise zu Mangel-Ernährung oder Infektionen kommen. Vernachlässigung kann auch dazu führen, dass geistige und körperliche Fähigkeiten schneller verloren gehen. Fehlt zum Beispiel die erforderliche Unterstützung, um sich zu bewegen, kann das zu Stürzen, Druckgeschwüren und steifen Gelenken führen. Zugleich steigt der Hilfebedarf.

Folgen von Gewalt für Pflegebeziehungen

Aggressionen und Gewalt können die Beziehung zwischen den Beteiligten erheblich belasten und sogar zu noch mehr Gewalt führen. Besonders häufig betrifft das Pflegebeziehungen, in denen Menschen mit Demenz leben. Denn bei fortgeschrittener Erkrankung kann ihr Verhalten sehr herausfordern, etwa durch nächtliche Unruhe, ständiges Umherlaufen oder Rufen. Das kann aggressive Gefühle sowie spontane Reaktionen bei Pflegenden auslösen.

Eine Form von Gewalt in Pflegebeziehungen ist Bevormundung bis hin zu Zwang.  Oft kommt dies in guter Absicht vor, zum Beispiel damit jemand etwas isst. Fügt sich die pflegebedürftige Person gegen ihren Willen dem Zwang, kann das bei ihr zum Beispiel zu Resignation, Angst und Depression führen. Auch aggressives Verhalten gegenüber der pflegenden Person kann die Folge sein.

Folgen von Gewalt für Pflegeeinrichtungen

Aggressivität und Gewalt in Pflegeeinrichtungen kann auch Auswirkungen auf die ganze Einrichtung haben. Denn Gewalt schädigt nicht nur die unmittelbar Betroffenen. Mitunter leiden darunter auch Bewohnerinnen und Bewohner, die Gewalt beobachtet haben. Manche haben Angst, bald selbst betroffen zu sein. Oder sie sind verunsichert, weil sie nicht helfen konnten. Auch Wut und Frustration können entstehen. Daraus kann sich sogar neue Gewalt entwickeln.

Zudem kann sich das Klima in der Einrichtung erheblich verändern. Das kann nicht nur Auswirkungen auf die Wohn- und Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner haben, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen. Durch Unzufriedenheit und eine gereizte Stimmung, kann es zu noch mehr Gewalt kommen. Bei den Beschäftigten kann dies vermehrte Ausfälle oder sogar Kündigungen nach sich ziehen.

QUELLEN
Brucker, U. (2017). Die Rolle von Medikamenten als freiheitsentziehende Maßnahme. In Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.), ZQP-Report. Gewaltprävention in der Pflege. Berlin. Link
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Görgen, T. (2009). Blicke über den Zaun: Befunde zur Viktimisierung in stationären Einrichtungen. In T. Görgen (Hrsg.), „Sicherer Hafen“ oder „gefahrvolle Zone“? Kriminalitäts- und Gewalterfahrun-gen im Leben alter Menschen: Ergebnisse einer multimethodalen Studie zu Gefährdungen älterer und pflegebedürftiger Menschen (S. 480-491). Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Görgen, T. (2017). Sichere Zuflucht Pflegeheim? Aggression und Gewalt unter Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Altenhilfeeinrichtungen (Schriftenreihe der Deutschen Hochschule der Polizei, neue Folge, Band 5). Münster: Deutsche Hochschule der Polizei – Hochschulverlag.
Köpke, S., Möhler, R., Abraham, J., Henkel, A., Kupfer, R., & Meyer, G. (2015). Leitlinie FEM – Evidenzbasierte Praxisleitlinie. Vermeidung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in der beruflichen Altenpflege. 1. Aktualisierung 2015, 2. Auflage. Universität zu Lübeck & Martin‐Luther‐Universität Halle‐Wittenberg.

AKTUALISIERT
am 28. November 2019

AUTOREN
D. Sulmann, D. Väthjunker