Anzeichen

Welche Spuren hinterlässt Gewalt in der Pflege?

Die Anzeichen für Gewalt sind nicht immer eindeutig. Manche Symptome können zum Beispiel Folge einer Erkrankung oder eines Sturzes sein. Aus Sorge, jemanden eventuell grundlos zu beschuldigen, wird Symptomen nicht immer nachgegangen. In jedem Fall aber sollten die Ursachen geklärt werden.

Häufig können oder wollen sich pflegebedürftige Menschen nicht wehren, zum Beispiel aus Scham, Abhängigkeit, Angst oder aufgrund einer Krankheit. Daher ist es notwendig, genau hinzuschauen und Gewalt so künftig vorzubeugen. Es gibt Anzeichen, die auf Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen hindeuten können.

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Folgen von Gewalt erkennen und gerichtsverwertbar dokumentieren:
Online-Hilfe: Befund: Gewalt

Anzeichen für Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen

Welche Spuren hinterlässt Gewalt in der Pflege?

Äußere Anzeichen

Körperliche Gewalt

  • blaue Flecken, Kratzer, Haut-Abschürfungen oder Platzwunden
  • Griffspuren an Armen und Handrücken
  • Verletzungen im Intimbereich

Freiheitsentziehende Maßnahmen

  • Abdrücke auf der Haut von Seilen, Schnallen oder Gürteln
  • Fesselspuren an Hand- und Fußgelenken
  • Benommenheit durch Medikamente

Vernachlässigung

  • Flüssigkeits-Mangel, Fehl- oder Unter-Ernährung
  • mangelnde Hygiene
  • mangelnde medizinische Versorgung

Finanzielle Gewalt

  • Verschwinden von Geld oder Wert-Gegenständen wie Schmuck oder Geräte
  • keine Kontrolle über das eigene Geld, plötzliche Änderung des Bankkontos
  • Verwahrlosung, etwa kaputte Kleidung oder unsaubere Wohnung
Welche Spuren hinterlässt Gewalt in der Pflege?

Anzeichen im Verhalten

Bei pflegebedürftigen Menschen

  • verändertes, ungewohntes Verhalten, etwa scheu, verängstigt, schreckhaft, sprachlos, teilnahmslos, verwirrt, übererregt, aggressiv oder übertrieben respektvoll
  • Schlaflosigkeit
  • selbstverletzendes Verhalten

Bei Pflegenden

  • auffallend angespanntes, überfürsorgliches oder überkontrollierendes Verhalten gegenüber der pflegebedürftigen Person
  • starke Abwehr oder widersprüchliche Erklärungen auf Fragen nach Verletzungen
  • medizinische Behandlung in unterschiedlichen Einrichtungen oder unverhältnismäßig langes Abwarten zwischen Verletzung und Behandlung
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QUELLEN
Grundel A., Liepe K., Fuchs-Römmelt U., Möller K., Hocher R., Grewe H. A., & Blättner B. (2014). Dokumentation auffälliger Befunde bei Pflegebedürftigen: Handlungsempfehlungen für Pflegefachkräfte. pg-papers 01/2014. Fulda.
Lehner E., Schopf A., Stiehr K., Ohms C., Döhner H., & Kohler S. (Hrsg.) (2010). Breaking the Taboo. Gewalt gegen ältere Frauen in der Familie: Erkennen und Handeln. 2. überarbeitete Auflage. Österreichisches Rotes Kreuz (Hrsg.). Wien.

AKTUALISIERT
am 28. Juni 2019

AUTOREN
D. Sulmann, D. Väthjunker