FEM

Was sind freiheitsentziehende Maßnahmen?

Jeder Mensch hat das Recht, sich frei zu bewegen. Mit freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) wird diese Freiheit eingeschränkt. Daher stellen sie eine besondere Form der Gewalt dar. Häufig werden FEM damit begründet, Stürze und Verletzungen vermeiden zu wollen. Dabei sind große Gesundheitsgefahren damit verbunden.

Zu FEM gehören zum Beispiel Bettgitter, Gurte oder Stühle mit Tischvorrichtung, jemanden einsperren oder jemanden in einen tiefen Sessel setzen, aus dem er alleine nicht mehr aufstehen kann. Auch Medikamente wie Schlafmittel oder Psychopharmaka, die ohne medizinische Notwendigkeit eingesetzt werden, sind FEM.

Voraussetzungen für FEM

Voraussetzung für die Anwendung von FEM ist, dass es wirklich keine andere Möglichkeit gibt, Gefahren abzuwenden. Sie sind also nur aus besonders schwerwiegenden Gründen zulässig und ohne Einwilligung des Pflegebedürftigen oder richterliche Genehmigung strafbar. Daher muss jede FEM vom Betreuer beziehungsweise Bevollmächtigen bei Gericht beantragt werden. Angehörige, Pflegende oder Ärzte können dies nicht tun, sondern ausschließlich eine rechtliche Betreuung oder die Überprüfung einer FEM anregen.

Eine FEM darf nicht länger angewendet werden als unbedingt notwendig. Dies muss immer wieder neu überlegt werden. Sofern eine FEM gerichtlich genehmigt ist, kann der Betreuer oder Bevollmächtige diese jederzeit veranlassen – muss dies aber nicht tun.

FEM dürfen nur zum Wohl einer Person angewendet werden, also nicht, um Zeit zu sparen oder die Pflege – zum Beispiel eines sehr unruhigen Pflegebedürftigen – zu erleichtern.

Ausschließlich im Notfall, also bei akuter Gefahr insbesondere für Leib und Leben, sind FEM ohne Genehmigungsverfahren erlaubt. Selbstverständlich dürfen auch hier nur angemessene Mittel angewendet werden – solange diese zur Gefahrenabwehr unbedingt erforderlich sind.

FEM sind bei Personen, die laut ärztlichem Attest nicht einwilligungsfähig sind und ihre Bewegungen nicht willentlich steuern können, nicht genehmigungspflichtig. Dann sind solche Maßnahmen kein Freiheitsentzug, sondern schützen den Pflegebedürftigen zum Beispiel vor Stürzen aus dem Bett bei ungesteuerten und unwillkürlichen Bewegungen.

Risiken von FEM

Nach aktuellem Wissensstand schaden FEM vielfach mehr, als dass sie nutzen. Sie bergen sogar schwerwiegende seelische und körperliche Risiken. Sie können zu Stress, Angst, Aggressionen oder Halluzinationen führen. Zudem besteht das Risiko für Verletzungen wie blaue Flecken, Hautabschürfungen, Druckgeschwüre, Knochenbrüche oder sogar durch Abschnüren der Atemwege zu ersticken. Außerdem lassen Muskelkraft und Koordinationsfähigkeit nach, wenn FEM oft angewendet werden. Dadurch werden Stürze sogar noch wahrscheinlicher. Entscheidend sind daher der verantwortungsvolle Umgang mit FEM und der sichere Einsatz der Hilfsmittel. Die Anwendung muss ständig überwacht und dokumentiert werden.

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Tipps: FEM vermeiden

QUELLEN
Balzer K, Bremer M, Schramm S, Lühmann D, & Raspe H. (2012). Sturzprophylaxe bei älteren Menschen in ihrer persönlichen Wohnumgebung. Schriftenreihe Health Technology Assessment (HTA). Köln.
Berzlanovich A., Schöpfer J., & Keil W. (2012). Todesfälle bei Gurtfixierungen. Dt. Ärzteblatt 109(3), 27-32.
Brucker, U. (2017). Die Rolle von Medikamenten als freiheitsentziehende Maßnahme. In Zentrum für Qualität in der Pflege (Hrsg.), Gewaltprävention in der Pflege. Berlin.
Köpke, S., Möhler, R., Abraham, J., Henkel, A., Kupfer, R., & Meyer, G. (2015). Leitlinie FEM – Evidenzbasierte Praxisleitlinie. Vermeidung von freiheitseinschränkenden Maßnahmen in der beruflichen Altenpflege. 1. Aktualisierung 2015, 2. Auflage. Universität zu Lübeck & Martin‐Luther‐Universität Halle‐Wittenberg.
Meyer G, Möhler R, & Köpke S. (2016). Freiheitsentziehende Maßnahmen in der Altenpflege. Beitrag der Wissenschaft zur Qualitätssicherung. Ärzteblatt Sachsen 2016, 27(2), 70-73.

AKTUALISIERT
am 8. Dezember 2017

AUTOREN
D. Sulmann, D. Väthjunker

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