Helfen

Wie kann ich andere schützen?

Niemand sollte Gewalt dulden. Pflegebedürftige Menschen haben das Recht, vor Gewalt geschützt zu werden. Und professionell Pflegende haben die Pflicht, Gefahren für Leib, Leben und Freiheit von Pflegebedürftigen abzuwenden (Garantenpflicht).

Hier finden Sie einige Tipps, was Sie tun können, wenn Sie unangemessenes Verhalten oder gar Gewalt beobachten.

Bei akuter Gefahr schützen

Schützen Sie den Pflegebedürftigen – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Falls möglich holen Sie sich Hilfe. Rufen Sie einen Arzt, wenn Sie körperliche Verletzungen feststellen.

Beobachtungen ansprechen

Besonders wenn die Gewalt nicht direkt erkennbar ist, fällt es vielleicht schwer, einen Verdacht zu äußern und jemanden eventuell grundlos zu beschuldigen. Aber: Reden hilft!

Sprechen Sie den Pflegebedürftigen nach Möglichkeit auf Ihre Beobachtungen an und klären Sie, wie er die Situation erlebt hat. Bieten Sie Hilfe und Schutz an.

Sprechen Sie auch die Person, die sich problematisch verhalten hat an – am besten unter vier Augen. Liegt keine akute Gefahr vor? Dann sollten Sie das Gespräch zu einem Zeitpunkt suchen, der nicht emotional aufgeladen oder stressig ist. Schildern Sie dann ruhig und sachlich Ihre Beobachtungen. Vermeiden Sie Warum-Fragen und hören Sie sich auch deren Sichtweise an. Machen Sie deutlich, dass Sie das Verhalten nicht zulassen und der Schutz des Pflegebedürftigen im Mittelpunkt steht.

Bei häuslicher Gewalt besprechen Sie, was geändert und wie weiter vorgegangen werden kann. Als professionell Pflegende informieren Sie über Unterstützungs- und Entlastungsangebote. Bieten Sie an, eine professionelle Beratung zu organisieren. Weisen Sie auch auf die Krisentelefone hin, die im akuten Notfall zur Verfügung stehen.

Speziell für professionell Pflegende

Online-Hilfe: Befund: Gewalt
Krisentelefone: Hilfe im Notfall

Beobachtungen melden

Informieren Sie gegebenenfalls die Einrichtungs- oder Pflegedienstleitung unverzüglich, wenn Sie Gewalt gegen einen Pflegebedürftigen beobachten. Sie sind verpflichtet, Maßnahmen zu dessen Schutz zu ergreifen.

Falls eine rechtliche Betreuung besteht, informieren Sie Betreuer, Betreuungsbehörde oder Betreuungsgericht sowie gegebenenfalls Angehörige, die die Pflege nötigenfalls übernehmen könnten.

Informieren Sie die Heimaufsicht oder den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) beziehungsweise den Prüfdienst des Verbands der privaten Krankenversicherung über problematische Vorfälle. Das ist auch anonym möglich. Bei akuter Gefahr müssen diese sofort auf Beschwerden reagieren und die Einrichtung prüfen. Daneben gibt es mancherorts kommunale Beschwerdestellen. Sie können sich hierüber beim örtlichen Bürgeramt informieren und erhalten dort auch die Kontaktdaten.

Wenden Sie sich an die Polizei, wenn Sie beobachtet haben, dass jemand körperlich verletzt wurde, begedroht, erpresst oder massiv vernachlässigt wird. Über die Notrufnummer 112 erreichen Sie in Deutschland Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst rund um die Uhr.

Speziell für Angehörige

ZQP-Datenbank: Beschwerdestellen finden

Alles dokumentieren

Alle Vorfälle sollten nachvollziehbar und umfassend dokumentiert werden. Für professionell Pflegende gibt es dafür spezielle Vorlagen, zum Beispiel bei der Online-Hilfe „Befund: Gewalt“.

Bei körperlichen Verletzungen sollte grundsätzlich ein Arzt hinzugezogen werden.

Speziell für professionell Pflegende

Online-Hilfe: Befund: Gewalt

Prozesse in Einrichtungen und Diensten verbessern

Als professionell Pflegende können Sie sich dafür einsetzen, dass in Ihrer Einrichtung oder Ihrem Dienst Fortbildungen angeboten werden oder ein Leitfaden zum Umgang mit Aggression und Gewalt erarbeitet und verbindlich eingeführt wird.

Um professionell Pflegende im Umgang mit Misshandlung und Vernachlässigung älterer Menschen in der häuslichen Pflege zu schulen, gibt es Materialien des Aktionsprogramms Sicher leben im Alter (SiliA).


AKTUALISIERT
am 8. Dezember 2017

AUTOREN
D. Sulmann, D. Väthjunker

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