Beruhigen

Wie kann ich auf Aggression reagieren?

Es kommt vor, dass pflegebedürftige Menschen aggressiv oder gar gewalttätig sind. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Wichtig ist, zu wissen: Es gibt Möglichkeiten, Aggressionen zu entschärfen und Ausbrüchen vorzubeugen. Eine Grundregel ist: Ruhe bewahren, um die Situation nicht noch zu verschlimmern!

Hier finden Sie einige konkrete Tipps.

Ursachen finden

Wer die Ursachen und Auslöser für Aggressionen kennt, kann Ausbrüchen besser vorbeugen. Typische Situationen lassen sich so vermeiden oder rechtzeitig unterbrechen. Versuchen Sie herauszufinden, warum sich die pflegebedürftige Person aggressiv verhält:

  • Überlegen Sie, was Gefühle wie Wut oder Unruhe auslöst. Hat die pflegebedürftige Person Schmerzen, Angst oder Hunger? Oder muss sie dringend zur Toilette? Vielleicht spielt auch Langeweile eine Rolle.
  • Fragen Sie gezielt nach. Bei Menschen mit Demenz eignen sich einfache Fragen, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann.
  • Überlegen Sie, was häufig zu Konflikten führt. Ist es etwa beim Essen oder Waschen? Führt das zu Abwehr? Was könnte der Grund sein?
  • Beobachten Sie auch Verhalten, Körpersprache und Tonfall.
  • Fragen Sie den Arzt oder die Ärztin: Ist das Verhalten ein Symptom einer Erkrankung? Liegt es vielleicht an den Medikamenten? Besprechen Sie, was verändert werden kann.

Gezielt vorbeugen

Um Aggressionen und Gewalt bei der Pflege vorzubeugen, sind Verständnis und Feingefühl gefragt. Zwar gibt es keine allgemeingültigen Rezepte. Einige Grundregeln zu beachten, kann aber hilfreich sein:

  • Stärken Sie das Selbstwertgefühl der pflegebedürftigen Person: Nehmen Sie Gefühle und Bedürfnisse ernst. Unterstützen Sie die Selbstständigkeit.
  • Vermitteln Sie Sicherheit: Behalten Sie Gewohnheiten und Rituale der pflegebedürftigen Person bei.
  • Achten Sie auf klare Abläufe. Kündigen Sie an und erklären Sie, was Sie tun. Das ist bei Körperkontakt besonders wichtig. Vor allem Menschen mit Demenz empfinden plötzliche oder für sie unverständliche Handgriffe eventuell als bedrohlich.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre. Hektik und Stress können Aggressionen auslösen.
  • Haben Sie die Ursache für das Verhalten herausgefunden, etwa Schmerzen oder Langeweile? Dann können Sie gezielte Angebote machen.
  • Sofern die pflegebedürftige Person dies versteht: Sprechen Sie auch offen an, wenn Sie sich unangemessen behandelt fühlen. Machen Sie deutlich, was Sie verletzt.
  • Lassen Sie sich als pflegende Angehörige von Pflegefachpersonen beraten, wie Sie mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz umgehen können. Auch in Pflegekursen wird solches Wissen vermittelt. Für professionell Pflegende gibt es ein umfangreiches Fortbildungsangebot zu diesem Thema.
Speziell für professionell Pflegende

DBfK-Angebote: Fortbildungen
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Akute Situation entschärfen

In einer akuten aggressiven Situation ist das Wichtigste, diese zu entschärfen und nicht zu verschlimmern. Das eigene Verhalten trägt viel dazu bei:

  • Versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Gelingt das nicht, verlassen Sie möglichst sofort den Raum – wenn auch nur kurz.
  • Auch wenn manches aus Ihrer Sicht unverständlich oder nicht richtig ist: Vermeiden Sie es, zu schimpfen, zu belehren oder zu widersprechen. Das kann die Wut oder die Angst noch verstärken.
  • Machen Sie deutlich, dass Sie die Bedürfnisse und die Gefühle der pflegebedürftigen Person ernst nehmen.
  • Vermitteln Sie das Gefühl, dass Sie gemeinsam eine Lösung finden werden.
  • Lenken Sie ab, etwa durch Musik oder eine Beobachtung am Fenster.
  • Suchen Sie Nähe, wenn Berührungen auf die pflegebedürftige Person beruhigend wirken. Oder halten Sie Abstand, falls diese als bedrohlich empfunden werden.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Gesten, Mimik und Körperhaltung nicht bedrohlich wirken.
  • Schützen Sie sich vor Verletzungen durch körperliche Angriffe. Bringen Sie alles außer Reichweite, womit man schlagen oder werfen könnte. Achten Sie dabei auf ruhige Bewegungen.
  • Rufen Sie nach Möglichkeit jemanden hinzu, der helfen kann.

Vorfälle melden

Lassen Sie sich ärztlich untersuchen, wenn Sie verletzt wurden. Informieren Sie als pflegende Angehörige gegebenenfalls den Pflegedienst. Als professionell Pflegende melden Sie jeden gewalttätigen Vorfall Ihren Vorgesetzten.

Dokumentieren Sie aggressive oder gewalttätige Situationen sachlich und für Außenstehende klar nachvollziehbar.

Speziell für professionell Pflegende

BGW-Webseite: Hilfe für Betroffene nach Gewaltvorfällen


AKTUALISIERT
am 26. Juni 2019

AUTOREN
D. Sulmann, D. Väthjunker