Analyse

Aggression und Gewalt in der informellen Pflege – 2018

Aus wissenschaftlicher Sicht ist gerade in Deutschland zu Umfang und Beschaffenheit von Gewalt in der Pflege noch zu wenig bekannt. Dies gilt insbesondere für die informelle Pflege. In dieser ZQP-Studie wurden daher pflegende Angehörige befragt, welche Erfahrungen sie mit Konflikten und Gewalt in der Pflege gemacht haben.

Ergebnisse der ZQP-Befragung im Überblick

Etwa die Hälfte der befragten pflegenden Angehörigen hatte den Eindruck, dass die pflegebedürftige Person ihre Hilfe nicht zu schätzen weiß. Viele der Befragten waren häufig niedergeschlagen oder wütend. Etwa jede zweite Person berichtete, Gewalt durch den pflegebedürftigen Angehörigen erlebt zu haben. 40 Prozent gaben an, selbst schon gewaltsam gegenüber der pflegebedürftigen Person gehandelt zu haben.

Belastungen von pflegenden Angehörigen

Viele Befragte berichteten von Belastungen und negativen Gedanken und Gefühlen gegenüber der pflegebedürftigen Person. Über ein Drittel der Befragten (36 Prozent) fühlte sich häufig niedergeschlagen, 29 Prozent sind häufig verärgert.

In den letzten 6 Monaten hatte über die Hälfte (52 Prozent) mindestens einmal den Eindruck, dass die pflegebedürftige Person ihre Hilfe nicht zu schätzen weiß. Ein Viertel (25 Prozent) hätte die pflegebedürftige Person bereits „vor Wut schütteln“ können.

Gewalt gegen Pflegende

45 Prozent der Befragten berichteten, dass gegen sie innerhalb der letzten 6 Monate psychische Gewalt durch die Person, die sie pflegen, ausgeübt wurde, z. B. durch Anschreien oder Beleidigen. 11 Prozent hatten körperliche Gewalt erlebt, wie grobes Anfassen oder Schlagen.

Angehörige von Menschen mit Demenz gaben häufiger an, von Gewalt bzw. krankheits-bedingtem gewaltförmigem Verhalten durch die pflegebedürftige Person betroffen zu sein als die anderen Befragten.

Gewalt durch Pflegende

32 Prozent der Befragten berichteten, im abgefragten Zeitraum psychische Gewalt gegen die pflegebedürftige Person angewendet zu haben.

12 Prozent gaben körperliche Gewalt an, elf Prozent Vernachlässigung.

6 Prozent gaben eigenes Verhalten an, das als freiheitsentziehende Maßnahme einzustufen ist.

Risikofaktoren für Gewalt in der Pflege

Die Studie bestätigt in Bezug auf Risikofaktoren für Gewalt in der Pflege, dass Gewalt häufiger gegen pflegebedürftige Menschen mit Demenz ausgeübt wird und häufiger durch Pflegende, die über psychische Belastungen und fehlende Zeit (für sich selbst oder mit anderen) berichten.

Methodik und Vorgehensweise

Befragt wurden 1.006 Personen in Deutschland von 40 bis 85 Jahren, die in ihrem privaten Umfeld seit mindestens 6 Monaten und mindestens einmal pro Woche einen pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren versorgen.

Die Befragten machten Angaben zu sich selbst, der pflegebedürftigen Person und der Pflegesituation. Zentrales Thema war Gewalt. Gefragt wurde nach Gewalt beziehungsweise krankheitsbedingtem gewaltförmigem Verhalten der pflegebedürftigen gegen die pflegende Person. Zudem wurde nach Gewalt in der umgekehrten Richtung gefragt.

Die vorliegende Studie hat verschiedene Limitationen. Vor allem aber lässt sie keine Aussagen darüber zu, ob Gewalt häufiger von pflegebedürftigen Menschen gegen pflegende Angehörige ausgeübt wird oder umgekehrt.

STAND: 18. Juni 2018
AUTOREN in alphabetischer Reihenfolge: Simon Eggert, Dr. Patrick Schnapp, Daniela Sulmann

 
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